Influencer, Blogger, YouTuber, Multiplikatoren, … sind beliebte Kooperationspartner wenn es um Marketingaktivitäten geht. Aber nicht jeder der Social Media Accounts mit Content versorgt und sich eine Community aufgebaut hat, muss auch zwangsläufig Medienkompetenz besitzen. Ein paar Gedanken über die Verantwortung von Influencern gegenüber deren Community und einer ganzen Branche.

Vor ein paar Tagen kam mir auf Facebook der Hinweis auf ein offensichtliches Fake Gewinnspiel, verteilt durch einen Influencer unter. Wer sich zu Art und Funktion solcher Fake-Gewinnspiele vertiefen möchte, klickt diesen Link. Gleich vorweg, die Einzelperson die hinter dem Post steht ist völlig unerheblich, es geht mir in diesem Blogpost nicht darum jemanden persönlich zu diffamieren, sondern anhand eines Beispiels ein paar Dinge sichtbar zu machen.

Wir haben hier also jemanden der es erfolgreich geschafft hat eine Community aufzubauen und die gewonnene Reichweite zu vermarkten. Gratulation! So weit alles gut. Dahinter steckt Arbeit und ein Gespür für die eigene Zielgruppe, unbestritten eine Leistung die man anerkennen muss. Fraglich ist halt, welche Qualität eine Social Media Beratung von jemanden hat, der die eigene Fanbase direkt in die Hände von Datensammlern treibt.

 

Verantwortung gegenüber der eigenen Community

Auch wenn ich wie überall im Leben für meine Taten (und das betrifft auch den Klick auf unseriöse Links) eigenverantwortlich bin, kann man wohl nicht abstreiten, dass Social Media Sternchen eine gewisse Vorbild- und Filterfunktion erfüllen. Sie haben Vertrauen aufgebaut, letztendlich die Basis für deren Erfolg. Das bringt sie in Verantwortung gegenüber der eigenen Community. Schließlich geht es hier ja um jemanden, der weiß wie das läuft im Netz und hey der “Social Media Consultant” wird schon wissen was er teilt. Zack, klickt ein 14jähriger Fan, in der Hoffnung auf das neue iPhone, auf den Link und landet bestenfalls als Datensatz in einer Custom Audience oder schlimmstenfalls in einer Abofalle. Als Multiplikator des Links hat unser Influencer natürlich keine unmittelbare Schuld, Verantwortung dennoch.

 

Verantwortung gegenüber eine Branche

Der Markt ist voll mit Social Media und “Online” Beratern die je nach Färbung finanzielle Freiheit, viel Freizeit, unfassbar große Reichweite zum Nulltarif oder sonst eine Traumvorstellung in Form von Webinaren und E-Books verkaufen. Dann gibt es die Guten, die sich über Jahre mit der Entwicklung der verschiedenen Netzwerke beschäftigen, viel Arbeit reinstecken, weniger Lautstärke entwickeln als die “Gurus” und im Sinne ihrer Kunden arbeiten. Zu unterscheiden wer in welche Schublade gehört (und, dass die Unterscheidung etwas kurz greift ist mir bewusst) ist für den Laien oft nicht unterscheidbar. Beispiele wie das oben im Screenshot helfen da auch nicht weiter. Was liegt da näher als Fanzahlen miteinander zu vergleichen, totsicheres Indiz für Qualität (oder etwa nicht ;-)). Als alternativen Gedanken möchte ich einfach den Satz “Der Schuster hat die schlechtesten Schuhe.” anbieten. Nicht auszudenken, welchen Imageschaden jemand mit der Expertise im Aufbau eines Youtube-Sternchen-Image, aber ohne “Medienkompetenz” (auch nur ein Hilfsvokabel, ich hoffe ich kann den Gedankengang trotzdem vermitteln) der ein kleines Unternehmen berät, das vielleicht außerhalb des eigenen Erfahrungsbereichs liegt, verursachen kann.

Es fehlt uns hierzulande noch immer an klaren Richtlinen, Zertifikaten, Standards, “you name it” um es potentiellen, mitunter unerfahrenen Auftraggebern leichter zu machen, die richtigen Dienstleister im Social Media Marketing zu finden. Selbst in der Branche herrscht oft keine Einigkeit darüber, was jetzt der Unterschied zwischen Social Media Manager, Content Marketing Redakteur oder Community Manager genau ist. Der Preis der rasanten Entwicklung der letzten Jahre. Gearbeitet wird daran, fähige Köpfe entwickeln Konzepte dazu. Bis dahin werden sowohl Auftraggeber und Dienstleister damit umgehen müssen, dass Spreu und Weizen im Social Media Marketing verdammt nah aneinander liegt.