Ehrlich gesagt Podcast von Daniel Friesenecker

Themenplanung für einen Unternehmenspodcast: Erst der Auftrag, dann die Themen

Daniel Friesenecker

Schwarze Kopfhörer und offenes Buch vor gelber Wand.

Von Daniel Friesenecker · Stand: Oktober 2026 · Lesezeit 7 Minuten

Der Kick-off-Termin. Ein Flipchart, ein Moderationskoffer, sechs Leute aus Marketing, Personalabteilung und Geschäftsführung. Nach einer Stunde hängen achtundzwanzig Themen an der Wand.

Alle gut. Alle wichtig.

Drei Monate später gibt es vier Folgen. Die fünfte ist „gerade in Abstimmung“. Seit sechs Wochen.

Ihr hattet nicht zu wenige Themen. Ihr hattet zu viele. Und keines davon hatte einen Auftrag.

Kurz gesagt

Die Themenplanung für einen strategischen Unternehmenspodcast beginnt nicht mit Themen, sondern mit dem Auftrag des Podcasts: Welche Zielgruppe soll nach zwölf Folgen was anders sehen oder tun? Daraus folgen drei bis fünf Themenfelder, zwei bis drei wiederkehrende Rubriken und pro Folge eine konkrete Kernfrage. Die besten Themen kommen aus den Fragen, die Vertrieb, Personalabteilung und Kundendienst jede Woche ohnehin hören.

Womit beginnt die Themenplanung für einen Unternehmenspodcast?

Mit einem einzigen Satz: Nach zwölf Folgen soll [wer] [was] anders sehen. Erst wenn der Satz steht, lohnt es sich, über Themen zu reden.

Zwei Beispiele, wie so ein Satz klingt:

Recruiting: Nach zwölf Folgen sollen Fachkräfte in der Region wissen, wie ein Arbeitstag bei uns wirklich aussieht.

Vertrieb: Nach zwölf Folgen sollen Einkäufer verstehen, warum unsere Lösung teurer ist und sich trotzdem rechnet.

Merkst du den Unterschied zu „Wir wollen über Innovation sprechen“? Der Satz sortiert aus. Alles, was nicht auf ihn einzahlt, fliegt von der Wand. Im PodCanvas® ist das der Norden: zuerst die Strategie, dann alles andere. Warum ein Podcast einen Job braucht und kein Thema, steht ausführlich in diesem Artikel.

Woher kommen die Themen für einen Unternehmenspodcast?

Aus den Fragen, die bei euch schon ankommen. Nicht aus dem Brainstorming. Macht eine Fragen-Inventur: eine Stunde, vier Abteilungen, eine Liste.

Vertrieb

Einwände

Welche Bedenken hört ihr bei jedem zweiten Termin? Jede davon ist eine Folge.

Personalabteilung

Bewerberfragen

Was fragen Bewerber im Gespräch? Was wussten sie vorher nicht, und was hätte sie früher überzeugt?

Kundendienst

Wiederholungen

Welche Frage beantwortet ihr jede Woche am Telefon? Die gehört in eine Folge, nicht in die Warteschleife.

Geschäftsführung

Entscheidungen

Welche Entscheidung musst du intern immer wieder erklären? Draußen versteht sie auch niemand.

Nach dieser Stunde habt ihr keine Themen. Ihr habt Fragen. Und Fragen sind besser, weil jemand auf die Antwort wartet.

Welche Rubriken tragen eine Podcast-Serie?

Zwei bis drei wiederkehrende Formate. Sie geben Hörern Orientierung und euch Planungssicherheit, weil nicht jede Folge neu erfunden werden muss.

1. Das Gespräch aus dem Haus. Meisterin, Lehrling, Entwickler, Geschäftsführer. Menschen, die man sonst nie hört. Das Herz der Serie.

2. Der Blick von außen. Ein Partner, eine Berufsschullehrerin, jemand aus der Branche. Bringt Perspektive und Glaubwürdigkeit, weil nicht nur ihr über euch redet.

3. Die Antwort. Solo, zehn bis fünfzehn Minuten, eine Frage aus der Inventur. Schnell produziert, oft am meisten gesucht.

Rubriken sind kein Korsett. Sie sind das, was eine Folge vom Zufallsprodukt unterscheidet.

Wie sieht ein Themenplan für sechs Folgen aus?

Jede Folge hat eine Kernfrage, ein Ziel und einen Plan, was danach aus ihr wird. Ein Beispiel für einen Maschinenbauer im Mittelstand, Auftrag: Fachkräfte und Lehrlinge in der Region.

Folge Rubrik Kernfrage Ziel nach der Folge Weiterverwendung
1 Gespräch Warum sind wir besser als unser Ruf? Hörer kennen Geschichte und Haltung LinkedIn-Post der Geschäftsführung
2 Gespräch Wie sieht der erste Tag in der Fertigung aus? Bewerber wissen, was sie erwartet Clip für Instagram, Karriereseite
3 Antwort Was gibt es bei uns außer dem Gehalt? Ehrliche Antwort auf die häufigste Frage FAQ auf der Karriereseite
4 Blick von außen Was Jugendliche bei der Lehrstellensuche heute anders machen Glaubwürdigkeit durch eine fremde Stimme Artikel auf der Website
5 Gespräch Wie wird man bei uns Meisterin? Aufstiegswege sind sichtbar Clip, Link in der Stellenanzeige
6 Antwort Was haben Hörer uns gefragt? Dialog statt Sendung Newsletter, LinkedIn

„Ausbildung“ ist ein Thema. „Wie sieht der erste Tag aus?“ ist eine Frage, auf die jemand eine Antwort sucht. Genau dieser Unterschied entscheidet, ob eine Folge gefunden wird. Mehr zum Recruiting-Einsatz: Podcast statt Stellenanzeige und Lehrlinge über einen Podcast gewinnen.

Wie oft sollte ein Unternehmenspodcast erscheinen?

Mindestens alle zwei Wochen, wenn er nach außen gefunden werden soll. Seltener geht, wenn er intern läuft oder als Staffel mit klarem Ende geplant ist.

Wichtiger als die Frequenz ist der Rhythmus. Hörer verzeihen eine Pause. Sie verzeihen kein Rätselraten, wann die nächste Folge kommt. Startet mit zwei fertigen Folgen im Puffer, dann bringt euch der erste Krankenstand nicht aus dem Takt. Warum mehr Folgen nicht automatisch mehr bringen: die Mehr-ist-mehr-Lüge.

Wann ist ein Themenplan zu viel?

Wenn er die Gespräche erstickt. Ehrlich gesagt sehe ich das öfter als den fehlenden Plan.

Kernfrage ja, Skript nein. Wer dem Lehrling fünf ausformulierte Fragen und die gewünschten Antworten gleich dazu schickt, bekommt eine Folge, die klingt wie eine Betriebsanleitung. Warum Skripte jedes Gespräch töten, steht hier.

Und wenn der Plan für 52 Folgen steht, bevor die erste aufgenommen ist. Plant sechs. Nehmt auf. Hört hin, was ankommt. Dann die nächsten sechs.

Häufige Fragen

Wie viele Themen braucht man vor dem Start eines Unternehmenspodcasts?

Sechs ausgearbeitete Folgen und eine Reserveliste mit fünfzehn bis zwanzig Fragen. Mehr veraltet, bevor ihr dazu kommt.

Wer sollte im Unternehmenspodcast sprechen?

Menschen, die Verantwortung tragen und etwas zu erzählen haben, nicht nur die Geschäftsführung. Lehrlinge, Meisterinnen und Entwickler wirken oft glaubwürdiger als jeder Vorstand. Ein Gesicht sollte aber dauerhaft dabei sein, damit die Serie eine Stimme hat.

Wie verbindet man Podcast, Website und LinkedIn?

Jede Folge liefert einen Artikel, zwei bis drei Clips und einen Post. Plant die Weiterverwendung gleich als Spalte im Themenplan mit, dann entsteht sie nebenbei und nicht als Zusatzarbeit.

Was tun, wenn die Themen ausgehen?

Dann habt ihr aufgehört zuzuhören. Fragt Hörer, Vertrieb und Bewerber, was offen geblieben ist. Die Fragen hören nicht auf, nur das Fragen.

Erst der Auftrag, dann die Themen.

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Über den Autor

Daniel Friesenecker ist Hörbarmacher und podcastet seit 2006. Über 1.000 Episoden, European Podcast Award, diplomierter systemischer Coach und Autor des Buchs „Hörbar echt!“. Im TeddyLab in Linz baut er Organisationen, deren wichtigstes Kapital Vertrauen ist, ihr eigenes Medium. Mehr für Industrie und Mittelstand · Mehr über Daniel

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