€ 6,62 für Platz 1 in den Podcast Charts. So einfach lassen sich die iTunes Rankings manipulieren. | TheAngryTeddy.com - Social Media & Online Marketing
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Zumindest in meiner Bubble lese ich ständig Jubelmeldungen von Neo-Podcastern, meist aus dem Eck „Trainer, Berater, Coach“, die praktisch aus dem Nichts in den Top-Platzierungen in den iTunes Charts auftauchen. Ein Blick auf die Chart-Historie vieler dieser Podcasts zeigt erstaunliche Sprünge, etwa von Platz 300 direkt auf Platz 1. Grund genug um einen genaueren Blick in die dunklen Ecken der Podcast Charts zu werfen.

Ich habe den Selbstversuch gewagt und einen Podcast mit 3 Plays, am ersten Tag der Listung, bei iTunes auf Platz 1 in Österreich gebracht. Dokumentiert habe ich das in diesem etwa 20 minütigem Video.

 

Was bringen gute iTunes Chartplatzierungen überhaupt?

Dass sich Podcasts hervorragend eigenen um einen Expertenstatus aufzubauen hat sich mittlerweile auch bei Kollegen durchgesprochen, die es nicht ganz so ehrlich meinen. Schließlich lässt sich so ein Screenshot von Nummer eins Podcast großartig für die Eigenvermarktung einsetzen. Schlampige Übersetzungen des iTunes Stores wie „beste aller Zeiten“ fördern das zusätzlich. Gleichzeitig bringt eine prominente Platzierung im Store natürlich auch Aufmerksamkeit und damit echte HörerInnen.
In meinem Experiment ist das aber auch überschaubar, so bringt es der Podcast 3 Tage nach dem Top-Ranking auf gerade einmal 18 Downloads.

 

Wie kommen gute Chartplatzierungen zustande?

Offiziell hält man sich dazu bei Apple bedeckt. Auch im Rahmen meines kleinen Experiments, bei dem ich binnen weniger Stunden einen völlig unbekannten Podcast auf Platz 1 der österreichischen iTunes Podcast Charts pushen lies, habe ich Apple dazu direkt befragt, dort verwies man mich auf die allgemeinen Hilfeartikel und bemerkte, dass Chartplatzierungen für Podcasts nicht garantiert sind. Worauf der Algorithmus wahrscheinlich reagiert, habe ich bereits vor einigen Jahren im Blogpost Rankingfaktoren für die Podcast iTunes Charts – eine Spurensuche thematisiert.

Mein kleines Experiment zeigt aber verlässlich, die Anzahl der Downloads, Bewertungen oder reale Interaktionen dürften eine eher untergeordnete Rolle spielen. Neu ist das Thema definitiv nicht. Die Online Marketing Rockstars haben beispielsweise schon im Oktober einen Artikel dazu veröffentlicht. Angeblich hat Apple das bereits repariert, mutmaßt zumindest businessinsider.de ebenfalls im Oktober. Dass dem zumindest in Österreich (für Deutschland liegt nahe, dass sich der Sachverhalt nicht anders darstellt – der Test ist ja nicht schwierig wie ich gezeigt habe) nicht so ist, beweist mein kleines Experiment. Auch der Blick auf fiverr.com offenbart, dass es ausreichend Anbieter gibt die in Österreich, aber auch in Deutschland „Podcast Promotion“ anbieten.

 

Was passiert bei der Chartmanipulation im Hintergrund?

Es ist davon auszugehen, dass hier ähnlich vorgegangen wird, wie bei den Chartmanipulationen auf spotify, die das Y-Kollektiv in einem Video aus dem Mai eindrucksvoll aufgedeckt haben. Im Wesentlichen wird wohl auf Scripts gesetzt, die automatisiert künstliche Interaktion auf den jeweiligen Podcast, im gewünschten Store bringen. Was allerdings auffällt ist, dass mein Test-Podcast praktisch keine Downloads hatte. Schließlich geht der durchschnittliche User wohldavon aus, dass die Downloads zumindest einen erheblichen Einfluss auf die Chartplatzierungen haben. Zum Zeitpunkt der Top-Platzierung waren es gerade einmal drei Downloads, auch die Bewertungen reißen es nicht raus, da ist es bis zum heutigen Tag genau eine.

podcast chart manipulation

Den Aussagen meiner Podcast Promoterin zufolge sind die Aktivitäten die in Bangladesh gesetzt wurden legal. Gehen wir mal im guten Glauben davon aus, dass dem auch so ist 😉

 

Die Chartmanipulation in der Zusammenfassung

Für jene die sich das Video nicht ansehen möchten, was ist im kurzen Abriss zu sehen.

  1. die Einreichung des Podcasts bei Apple ab 14.08.2019
  2. 21.08.2019 der Podcast ist in der Nacht durch die Verfikation bei Apple gekommen
  3. ich reiche den Podcast bei Chartable ein um die Chartplatzierungen zu verfolgen
  4. noch immer 21.08.2019 – ca. 13:30 ich beauftrage bei Fiverr eine Podcast Promotorin mit der Bewerbung des Podcasts
  5. am gleichen Tag etwa 18:30 der Podcast steht auf Platz 1 im österreichischen Podcast Store vor öffentlich rechtlichen Angeboten mit (nachgewiesenen) tausenden Hörern

Welche Tools wurden eingesetzt?

  • chartable.com zum Check der Chartsplatzierungen
  • fiverr.com zur Beauftragung der Podcast Promotorin
  • podbean.com im Gratispaket für das Hosting und den RSS-Feed

 

Wie erkenne ich Fakes?

Dank chartable.com recht einfach, schließlich lassen sich die unrealistischen Aufstiege in den Charts recht klar erkennen. Zum Zeitpunkt meines Experiments stand zB ein Podcast hinter mir in den Charts, dessen Chartverläufe sehr eigenartig wirken. Auch die Recherche nach etwaigen Medienauftritten, Speakings bei Konferenzen, Check von Social Media Kanälen des Betreibers – die eine plötzliche Popularität des Anbieters erklären würden – blieben für mich erfolglos. Es liegt also zumindest der Verdacht nahe, dass hier getrickst wurde. Eine Bewertung dieser Einschätzung überlasse ich dir selbst. Hier die Chartverläufe des betreffenden Podcasts.

podcast chart manipulation

Warum schaden diese Manipulationen der Branche?

Mir ist klar, dass ich hier eine Anleitung gebe, wie die Manipulation funktioniert. Ich bin mir sicher, dass das Nachahmer finden wird, die deren Betrug an den HörerInnen als organischen Erfolg verkaufen werden. An dieser Stelle eine Warnung – ich werde all jene öffentlich konfrontieren, die ähnliche Chartverläufe wie den oben generieren.
Gleichzeitig hoffe ich, dass ich mit diesem Beitrag Skepsis bei den HörerInnen auslöse und die Lücke über kurz oder lang von iTunes geschlossen wird.

Darüber hinaus schaden Chartmanipulationen allen die Podcasts erstellen, denn …

  • die Glaubwürdigkeit von Chartplatzierungen leidet, auch für jene die organisch gut dastehen
  • echter Wettbewerb wird behindert, was die Qualität insgesamt senkt
  • KundInnen die von betrügerischen Anbietern getäuscht wurden, werden eine „Schublade aufmachen“ in der alle Anbieter gleich unseriös bewertet werden
  • Fake-Anbieter schmälern die Arbeit und die Reputation jener, denen sie nacheifern und die den Markt überhaupt erst aufbereitet haben
  • mittelfristig ist davon auszugehen (zumindest habe ich die Hoffnung), dass die Algorithmen geschärft werden und auffällige Muster abgestraft werden.

 

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