Employer Branding Podcast: Was er kostet und gegen welche Zahl du ihn rechnest

Daniel Friesenecker

Panda im Studio mit Mikrofon, Notizen und Podcast-Equipment.

Ein Geschäftsführer aus dem Innviertel, 60 Mitarbeiter, drei offene Stellen seit vier Monaten. Wir sitzen im TeddyLab, der Kaffee wird kalt. Dann fragt er, was mich jeder fragt. Wie viele Bewerbungen bringt so ein Podcast?

Und jetzt kommt der Teil, den du von einer Podcast-Agentur selten liest. Ich weiß es nicht. Niemand weiß es. Und wer dir eine Zahl nennt, hat sie erfunden.

Ich habe die Studie gesucht. Es gibt sie nicht.

Für diesen Artikel habe ich die Datenlage im gesamten deutschsprachigen Raum durchkämmt. ARD/ZDF-Medienstudie, RTR Online-Audio-Monitor, RMS, Bitkom, DGFP, peer-reviewte Journals, Agentur-Fallstudien.

Das Ergebnis in einem Satz: Es existiert keine einzige öffentlich zugängliche Fallstudie aus dem DACH-Mittelstand, die mit Vorher- und Nachher-Zahlen belegt, dass ein Unternehmens-Podcast die Bewerbungszahl, den Cost per Hire oder die Time to Hire verändert hat.

Keine. Nicht eine.

Was es gibt: Agentur-Fallstudien mit Sätzen wie „positive Conversions“ und „schnellere Besetzung“. Ohne eine einzige Zahl davor und danach. Was es auch gibt: internationale Branded-Podcast-Projekte, die Durchhörquoten zwischen 85 und 98 Prozent melden und diese Zahlen mit keinem einzigen HR-Kennwert verknüpfen.

Das ist kein Vorwurf an die Kollegen. Das ist der Zustand des Marktes.

Die Zahlen, die alle zitieren, hat nie jemand erhoben

Zwei Beispiele, weil sie dir garantiert schon begegnet sind.

„60 Prozent Hörerbindung und 70 Prozent Abschlussrate sind der Branchenbenchmark.“ Diese Werte stehen in deutschsprachigen Agenturblogs und werden von dort weiterzitiert, bis sie wie Wissen aussehen. Eine Primärstudie, die sie an einer repräsentativen Corporate-Stichprobe erhoben hat, ist nicht auffindbar. Es ist eine Hausnummer, die sich selbst zur Norm befördert hat.

„90 Prozent aller Firmen-Podcasts sterben nach Episode sieben.“ Klingt gut. Ich habe die Zahl selbst schon fast verwendet. Die Spur führt zu einem Blogbeitrag ohne Datenbasis, ohne Stichprobe, ohne Methode. Dass viele Unternehmens-Podcasts nach ein, zwei Staffeln aufhören, sieht man auch ohne Studie. Nur: Eine belastbare Quote dafür gibt es im deutschsprachigen Raum nicht.

Warum ich das ausbreite? Weil du in den nächsten Wochen mit einer dieser Zahlen in ein Angebot geschrieben bekommst. Und weil ein Business Case, der auf erfundenen Benchmarks steht, beim ersten kritischen Blick vom Steuerberater zusammenklappt.

Wer dir Sicherheit verkauft, die es nicht gibt, verkauft dir das Risiko gleich mit.

Was die Forschung tatsächlich hergibt

Die Datenlage ist nicht leer. Sie ist nur woanders, als die Branche gerne hinzeigt.

Nielsen weist in kontrollierten Brand-Lift-Studien nach, dass Podcast-Werbung die gestützte Markenerinnerung deutlich hebt: 71 Prozent bei Exponierten gegenüber 50 Prozent in der Kontrollgruppe. Das ist ein sauberes Exposed-versus-Control-Design. Es misst Bekanntheit.

Eine peer-reviewte Untersuchung zur Wirkung von Podcasts im Content Marketing findet einen signifikanten Zusammenhang zwischen Hördauer und Markenbekanntheit. Und keinen signifikanten Effekt auf die Kaufabsicht.

Lies den letzten Satz nochmal. Er kommt nicht von einem Podcast-Kritiker. Er kommt aus einem Verfahren, das genau danach gesucht hat.

Was heißt das für dich? Ein Podcast erzeugt nachweisbar Bekanntheit und Vertrauen. Er erzeugt nicht automatisch eine Handlung. Zwischen „die kenne ich“ und „da bewerbe ich mich“ liegt eine Lücke, und diese Lücke schließt kein Mikrofon. Die schließt dein Recruiting-Prozess.

Wer dir einen Podcast verkauft, ohne über deinen Bewerbungsprozess zu reden, verkauft dir ein Hobby.

Die Zahl, gegen die du wirklich rechnest

Jetzt wird es konkret. Und jetzt wird die Datenlage plötzlich sehr gut.

Nicht auf der Podcast-Seite. Auf der Kostenseite deiner Vakanz.

Belegte Recruiting-Kosten im DACH-Raum als Vergleichsbasis
Kennzahl Wert Quelle
Kosten einer unbesetzten Stelle 29.000 Euro im Schnitt StepStone Group, 08/2024
Dasselbe bei über 250 Mitarbeitenden über 73.000 Euro StepStone Group, 08/2024
Honorar Personalberatung, nationale Suche rund 30 Prozent des Jahresbruttos PersonalWIKI, 11/2023
Direct Search in Engpassberufen bis 40 Prozent PersonalWIKI, 11/2023
Eine Stellenanzeige auf StepStone 1.349 bis 2.199 Euro, 30 Tage Listenpreise, 03/2023
Time to Hire Deutschland 2025, KMU rund 22 Arbeitstage StepStone, 07/2025
Kosten einer Fehlbesetzung, Fachkraft 30.000 bis 50.000 Euro Sammelauswertung Reif, 05/2025
Dasselbe bei Führungskräften 50.000 bis 100.000 Euro Sammelauswertung Reif, 05/2025

Diese Zahlen sind dokumentiert, datiert und methodisch beschrieben. Sie sind die einzige seriöse Vergleichsbasis, die du hast.

Und jetzt die Rechnung, die dein Steuerberater versteht.

Eine Fachkraft mit 60.000 Euro Jahresbrutto über eine Personalberatung: rund 18.000 Euro Honorar. Einmalig. Für einen Kopf.

Ein Podcast-Fundament mit Strategie, Setup und den ersten Folgen liegt im niedrigen vierstelligen Bereich, je nach Förderung kommt ein Teil davon zurück. Die laufende Betreuung danach bewegt sich im dreistelligen Monatsbereich.

Der Podcast muss also nicht „funktionieren“ im Sinne von Downloads. Er muss verhindern, dass du im Jahr einmal zum Headhunter gehst. Ein einziges Mal. Dann ist er bezahlt.

Und er muss nicht einmal das. Er muss ein Zehntel einer einzigen Vakanz verkürzen, um sich gegen die 29.000 Euro zu rechtfertigen.

Das ist keine Marketing-Rechnung. Das ist eine Risikorechnung.

Warum Audio im Fachkräftemangel überhaupt eine Rolle spielt

Die österreichischen Nutzungszahlen kommen von der RTR, Online-Audio-Monitor Austria 2024, Panel mit 4.000 Befragten.

40 Prozent der österreichischen Online-Bevölkerung ab 15 hören Podcasts oder Sendungen zum Nachhören, 32 Prozent mindestens monatlich. Bei den 30- bis 49-Jährigen sind es 45 Prozent.

Und bei den 15- bis 29-Jährigen: 56 Prozent.

Das ist die Gruppe, um die du im Handwerk und in der Industrie gerade am härtesten kämpfst. Mehr als jeder Zweite von denen sitzt regelmäßig mit Kopfhörern da und hört jemandem zu, der redet. Deine Stellenanzeige sieht aus wie die vom Mitbewerber. Deine Stimme nicht.

In Deutschland ist der Trend derselbe: Die regelmäßige Nutzung ist laut ARD/ZDF-Medienstudie 2025 von 29 auf 34 Prozent gesprungen, rund 23,8 Millionen Menschen ab 14. Nach Jahren, in denen sich nichts bewegt hat.

Der Kanal ist da. Die Frage ist, ob du etwas zu sagen hast.

Der einzige Beweis, der zählt, ist deiner

Weil es keine Branchenstudie gibt, auf die du dich stützen kannst, bleibt genau ein Weg: Du erhebst die Daten selbst. Und zwar bevor du startest, nicht danach.

Drei Dinge, mehr braucht es am Anfang nicht.

Erstens, die Nullmessung

Bevor die erste Folge live geht: Wie viele Bewerbungen bekommst du pro Ausschreibung? Wie viele davon sind qualifiziert? Wie lange dauert eine Besetzung? Schreib die drei Zahlen auf ein Blatt Papier und leg es in die Schublade. Ohne diesen Ausgangswert ist jede spätere Aussage Gefühlssache.

Zweitens, das offene Textfeld

In deinem Bewerbungsformular, verpflichtend, ohne Dropdown: „Wie sind Sie auf uns aufmerksam geworden?“ Kein Auswahlmenü, weil Menschen im Auswahlmenü das Naheliegende anklicken. Im Freitext schreiben sie: „Ich hab die Folge über die Lehrlingsausbildung gehört.“ Das ist die ehrlichste Attribution, die es gibt. Ab etwa 50 bis 100 Antworten kannst du damit grobe Kanalentscheidungen treffen.

Drittens, die Markensuche

Beobachte, ob die Google-Suchanfragen nach deinem Firmennamen in Kombination mit „Jobs“ oder „Karriere“ nach Episoden anziehen. Das ist der Schatten von allem, was in WhatsApp-Gruppen und Slack-Kanälen weitergeleitet wird und in keinem Dashboard auftaucht.

Wie du das sauber in dein CRM bekommst, damit der Podcast nicht als Freitext-Notiz verschwindet, habe ich in einem eigenen Artikel auseinandergenommen: Podcast Marketing im B2B: So misst du den echten Business Impact.

Was dabei herauskommt, ist kein Branchenbenchmark. Es ist besser. Es ist deine Zahl.

Wann du es bleiben lassen solltest

Ein Employer-Branding-Podcast ist kein Werkzeug für jede Firma. Drei Fälle, in denen ich abrate.

Du hast kein Kulturproblem, sondern ein Gehaltsproblem. Wenn du 20 Prozent unter Marktniveau zahlst, hilft kein Mikrofon. Dann klingt der Podcast wie ein Pflaster auf einem gebrochenen Bein, und die Bewerber hören das.

Niemand im Unternehmen will reden. Nicht „hat keine Zeit“. Sondern will nicht. Wenn die Führungsebene nur abgestimmte Sätze sagt, entsteht eine Sendung, die nach Broschüre klingt. Die hört keiner. Auch nicht deine Lehrlinge.

Du brauchst die Stelle in sechs Wochen besetzt. Dann schalt die Anzeige. Ein Podcast wirkt über Quartale, nicht über Wochen. Er ist die Antwort auf die Frage, warum du in zwei Jahren immer noch keine Bewerbungen bekommst. Nicht die Antwort auf den Notfall von heute.

Wenn eines davon zutrifft: Spar dir das Geld. Ich sag dir das lieber jetzt als nach drei Monaten Produktion.

Häufige Fragen

Bringt ein Employer-Branding-Podcast nachweislich mehr Bewerbungen?

Nachweislich im Sinne einer veröffentlichten Studie: nein, für den DACH-Raum existiert keine. Belegt ist, dass Podcasts Bekanntheit und Vertrauen aufbauen und dass ein erheblicher Teil deiner Zielgruppe das Medium nutzt. Ob es bei dir zu Bewerbungen führt, kannst nur du messen. Deshalb gehört die Nullmessung vor die erste Folge.

Was kostet ein Employer-Branding-Podcast im Vergleich zum Headhunter?

Ein Personalberater kostet rund 30 Prozent des Jahresbruttogehalts, bei 60.000 Euro also etwa 18.000 Euro pro Besetzung. Ein Podcast-Setup liegt im niedrigen vierstelligen Bereich, die laufende Betreuung bei einigen hundert Euro im Monat. Der Unterschied: Der Headhunter liefert einen Kopf, der Podcast baut ein Signal, das dauerhaft im Markt bleibt.

Ab wann kann ich beurteilen, ob es wirkt?

Nicht nach vier Wochen. Bewerbungszyklen und Vertrauensaufbau laufen über Monate. Ein realistischer Bewertungszeitraum ist zwölf Monate, mit einem ersten ehrlichen Zwischenblick nach sechs. Wer nach acht Wochen abbricht, bewertet einen Kanal, der noch gar nicht angefangen hat.

Reicht es, wenn die Geschäftsführung spricht?

Selten. Der Senior erzählt die Geschichte des Unternehmens, und das ist wertvoll. Aber Bewerber wollen hören, wie es ist, dort zu arbeiten. Diese Antwort hat der Lehrling im zweiten Jahr, nicht der Chef. Die interessantesten Folgen entstehen fast immer, wenn jemand spricht, der noch nie ein Mikrofon vor sich hatte.

Was ist mit den 90 Prozent, die angeblich nach sieben Folgen aufhören?

Diese Zahl hat keine belegte Datenbasis. Dass viele Unternehmens-Podcasts einschlafen, stimmt trotzdem. Der Grund ist fast nie die Technik. Der Grund ist, dass niemand vorher entschieden hat, wem die Sendung eigentlich etwas bringen soll.

Was du jetzt tun kannst

Nimm dir zehn Minuten und schreib drei Zahlen auf: Bewerbungen pro Ausschreibung, Anteil davon qualifiziert, Tage bis zur Besetzung.

Wenn du sie nicht weißt, hast du gerade dein eigentliches Problem gefunden. Und zwar bevor du einen Euro für Content ausgegeben hast.

Wenn du sie weißt, dann hast du den Ausgangspunkt für die einzige Rechnung, die zählt.

Ob ein eigenes Medium für dein Unternehmen überhaupt Sinn ergibt, klärt der kostenlose Potenzial-Check in fünf Minuten: podsignal.theangryteddy.com

Oder wir reden fünfzehn Minuten über deine drei Zahlen und was daraus zu machen wäre: termin.theangryteddy.at

Inhalt

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