Wie entwickelt ein Unternehmen eine klare Kommunikationspositionierung

Daniel Friesenecker

Panda präsentiert kreative Marketingziele auf Whiteboard.

Montagvormittag, Strategie-Workshop, viertes Flipchart-Blatt. Jemand schreibt: „Wir stehen für Qualität, Innovation und Kundennähe.“ Alle nicken. Kaffee wird nachgeschenkt. Niemand merkt, dass derselbe Satz auch beim Mitbewerber zwei Straßen weiter hängen könnte.

Eine klare Kommunikationspositionierung entsteht nicht am Flipchart und nicht im Kreativ-Workshop. Sie entsteht, wenn ein Unternehmen aufhört, sich selbst zu beschreiben, und anfängt, sich einzuordnen. Zwischen diesen beiden Sätzen liegt der ganze Unterschied.

Positionierung ist keine Beschreibung. Positionierung ist eine Entscheidung, wer dich nicht braucht.

Warum die meisten Positionierungen austauschbar klingen

Frag drei Unternehmen aus derselben Branche nach ihrer Positionierung. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass alle drei dieselben vier Wörter benutzen: innovativ, zuverlässig, kundenorientiert, nachhaltig. Keines der Wörter ist falsch. Alle sind ohne Beleg leer.

Das passiert nicht aus Schlamperei. Es passiert aus Angst. Wer eine Zielgruppe eng fasst, hat das Gefühl, Umsatz zu verschenken. Wer ein einzelnes Problem benennt, hat das Gefühl, andere Kunden zu verlieren. Also wird der Satz so lange verwässert, bis er niemanden mehr verschreckt. Und genau dadurch erreicht er auch niemanden mehr richtig.

Der Namens-Tausch-Test

Ein schneller Test, der fast immer wehtut: Nimm deinen Positionierungssatz und ersetz deinen Firmennamen durch den eines Mitbewerbers. Funktioniert der Satz immer noch? Dann ist er keine Positionierung. Dann ist er ein Kompliment an die ganze Branche.

Woher die Beliebigkeit wirklich kommt

Beliebigkeit ist selten ein Textproblem. Sie ist ein Entscheidungsproblem, das man in Sprache versteckt. Wenn Geschäftsführung, Vertrieb und Marketing sich nie auf eine einzige Zielgruppe und ein einziges Problem geeinigt haben, kann kein Text das reparieren. Er kann die Uneinigkeit nur schön verpacken.

Was Positionierung nicht ist

Eine Vision beschreibt, wohin sich ein Unternehmen langfristig entwickeln will. Ein Leitbild beschreibt Werte und Haltung nach innen. Positionierung ist enger gefasst. Sie beantwortet eine einzige Frage: Warum sollte genau diese Zielgruppe genau dieses Unternehmen wählen, und keinen anderen Anbieter?

Wer Vision, Leitbild und Positionierung vermischt, landet fast automatisch bei Sätzen, die überall passen. Und ein Satz, der überall passt, positioniert nirgendwo.

Positionierung, Botschaft und Branding sind nicht dasselbe

Diese drei Begriffe werden in Meetings ständig vertauscht. Das kostet Zeit und Klarheit.

Begriff Kernaufgabe Typischer Fehler
Positionierung Legt fest, wofür das Unternehmen im Markt stehen soll Wird mit einem Slogan verwechselt
Botschaft Übersetzt die Positionierung in wiederholbare Sätze Wechselt bei jeder Kampagne
Branding Macht die Position sichtbar, hörbar und wiedererkennbar Muss strategische Unklarheit optisch ausgleichen

Die Reihenfolge ist nicht verhandelbar. Erst die Entscheidung, wofür das Unternehmen stehen soll. Dann die Sätze dafür. Dann Logo, Farbe, Ton und Kanal. Wer diese Reihenfolge umdreht, bekommt ein schönes Erscheinungsbild für eine Haltung, die es noch gar nicht gibt.

Eine Kommunikationsstrategie sollte laut Haiilo in drei Phasen entstehen: entwickeln, verständlich erklären und laufend überprüfen. Genau die dritte Phase wird am häufigsten übersprungen. Positionierung ist keine einmalige Übung, die danach in der Schublade verschwindet.

In fünf Schritten zur eigenen Positionierung

Es gibt keine Vorlage, die für jedes Unternehmen passt. Aber es gibt eine Reihenfolge, die sich in der Praxis bewährt hat.

  1. Zielgruppe eingrenzen, nicht erweitern. Nicht „alle Unternehmen ab 20 Mitarbeitern“, sondern die eine Gruppe, deren Problem du am besten kennst. Eine engere Zielgruppe bringt oft weniger Anfragen, aber deutlich passendere Gespräche.
  2. Das eine Problem benennen, das wirklich gelöst wird. Nicht die Feature-Liste. Die Konsequenz, wenn das Problem bleibt. Ein Feature beschreibt, was ein Produkt tut. Ein Problem beschreibt, was ohne das Produkt schiefgeht.
  3. Die eigene Antwort von der üblichen Antwort abgrenzen. Was machst du anders als der naheliegende Standardweg, den die meisten in der Branche gehen?
  4. Belege sammeln, bevor der Satz geschrieben wird. Referenzen, Zahlen, Fallbeispiele. Ohne Beleg ist jeder Satz nur eine Behauptung.
  5. Einen Satz schreiben, den man laut sagen kann. Kein Werbetext. Ein Steuerungsinstrument für Vertrieb, Marketing und Geschäftsführung gleichermaßen.

Für den fünften Schritt hat sich dieses Muster bewährt:

Für [eng gefasste Zielgruppe], die [konkretes Problem] hat, ist [Unternehmen] [die Antwort], belegt durch [Beweis]. Anders als [üblicher Standardweg], weil [Unterschied].

Beispielhaft für einen metallverarbeitenden Familienbetrieb:

Für Betriebe, die niemanden mehr für die Werkstatt finden, ist unsere Lehrwerkstatt die ehrliche Alternative zur Stellenanzeige, belegt durch drei Lehrlings-Staffeln, die man sich ansehen kann. Anders als Hochglanz-Recruiting zeigen wir echten Werkstatt-Alltag, nicht Stock-Fotos.

Ein Satz, der auf zehn Branchen gleichzeitig passt, ist noch nicht fertig. Er ist erst der erste Entwurf.

Wer diesen Prozess strukturiert durchgehen will, findet bei der WKO ein Marketingkonzept-Grundgerüst mit Situationsanalyse, Zielen und Strategie, das sich eins zu eins auf die Positionierungsarbeit übertragen lässt.

Der Praxistest: Eine Positionierung, die standhält

Ein Satz auf Papier beweist noch nichts. Er muss vier typische Fehlerbilder überstehen, bevor er in die Kommunikation geht.

  • Der Gefällt-Allen-Fehler: Die Zielgruppe wurde am Ende doch wieder aufgeweicht, aus Angst vor Umsatzverlust.
  • Der Superlativ-Fehler: „Führend“, „die Besten“, „einzigartig“. Ohne Beleg sind das nicht nur leere Worte. In Österreich sind irreführende, unbelegte Werbeaussagen zusätzlich ein rechtliches Risiko.
  • Der Kein-Eigentümer-Fehler: Niemand ist verantwortlich, also erklärt jede Abteilung die Leistung anders.
  • Der Ohne-Beleg-Fehler: Der Satz behauptet etwas, das Website, Angebot oder Vertrieb nicht zeigen können.

Drei kurze Tests helfen bei der Prüfung:

Test Frage Bestanden, wenn
Namens-Tausch-Test Passt der Satz auch bei einem Mitbewerber? Nein
Laut-Sagen-Test Klingt der Satz, wie im Unternehmen wirklich geredet wird? Ja
Beleg-Test Kann jede Behauptung sofort mit einem Beispiel gezeigt werden? Ja

Wenn einer dieser drei Tests scheitert, ist noch keine Produktion der nächste Schritt. Dann fehlt Positionierungsarbeit.

Wie die Positionierung im Alltag ankommt

Ein fertiger Satz auf einer Folie verändert noch nichts. Positionierung wirkt erst, wenn sie an den Stellen ankommt, wo tatsächlich Vertrauen entsteht oder verloren geht.

Ort Was sich konkret ändern muss
Website, erster Screen Zielgruppe und Problem stehen vor der Leistungsliste
Vertriebsgespräch Der erste Satz beantwortet „Warum ihr?“, nicht „Was macht ihr?“
Stellenanzeige Dieselbe Klarheit, mit der auch Kunden angesprochen werden
Angebot und Präsentation Belege stehen vor Features, nicht danach

Drei Stolpersteine tauchen dabei fast immer auf.

Der erste: Die Website wird angepasst, das Vertriebsgespräch bleibt beim alten Muster. Nach außen wirkt das inkonsistent, fast wie zwei verschiedene Unternehmen.

Der zweite: Alte Formulierungen bleiben in Angeboten, PDFs und Signaturen liegen, während vorne ein neuer Satz kommuniziert wird. Wer aufmerksam liest, merkt den Bruch.

Der dritte, und der hartnäckigste: Die Positionierung wird einmal verkündet und nie wieder erwähnt. Neue Mitarbeitende lernen sie nie kennen. Nach einem Jahr redet wieder jede Abteilung anders.

Deshalb braucht eine Positionierung einen Ort, an dem sie regelmäßig wiederholt wird, ohne dass es wie eine Schulung klingt. Genau diese Funktion übernimmt ein eigenes Medium.

Wie ein eigenes Medium die Positionierung hörbar macht

Ein Satz auf Papier kann behaupten. Ein eigenes Medium kann beweisen. Podcast, Video oder eine klar geführte Fachserie geben der Positionierung einen Ort, an dem sie sich wiederholt zeigen muss, nicht nur einmal verkündet wird.

Bevor die Technik gekauft wird, sollten vier Richtungen geklärt sein. Genau das strukturiert das PodCanvas®-Framework:

Richtung Kernfrage Ergebnis
Nord, Strategie Warum soll dieses Medium existieren? Position, Ziel, Themenfeld
Ost, Setup Wen erreicht welches Format? Zielgruppe, Rollen, Formatentscheidung
Süd, Workflow Wie entsteht Regelmäßigkeit? Rollen, Freigaben, Produktionsablauf
West, Wachstum Wie entsteht Resonanz? Distribution, Auswertung, Weiterentwicklung

Ein gutes Mikrofon repariert keine unklare Positionierung. Es macht sie nur lauter hörbar, so wie sie ist. Wer erst das Setup kauft und danach über die Botschaft nachdenkt, hat die Reihenfolge aus dem vorigen Kapitel schon wieder vergessen.

Wer prüfen will, ob das eigene Fundament überhaupt trägt, bevor die erste Aufnahme läuft, findet unter Warum dein Podcast scheitert die häufigsten Stolpersteine kompakt zusammengefasst.

Key Takeaways

Positionierung ist eine Auswahl, keine Beschreibung

  • Wer alle ansprechen will, erreicht meist niemanden richtig.
  • Ein Positionierungssatz muss den Namens-Tausch-Test bestehen.
  • Belege tragen die Behauptung. Ohne Beleg bleibt jeder Satz austauschbar.
  • Positionierung kommt vor Botschaft. Botschaft kommt vor Branding.
  • Ein eigenes Medium zeigt die Positionierung wiederholt. Ein Werbespot kann sie nur behaupten.

Der konkrete erste Schritt

Setz dich mit Geschäftsführung, Vertrieb und einer fachlichen Stimme an einen Tisch. Formulier gemeinsam mit ihnen einen einzigen Satz zu Zielgruppe, Problem, Antwort und Beleg. Streich danach alles, was nicht mehr dazupasst.

Wenn dieser Satz nach einer Stunde noch nicht steht, ist auch kein Podcast der nächste Schritt. Dann braucht es zuerst diese Klarheit.

Wenn du wissen willst, ob ein eigenes Medium deine Positionierung tragen kann: Ein Erstgespräch klärt das in fünfzehn Minuten.

FAQ zur Kommunikationspositionierung

Was ist der Unterschied zwischen Positionierung und Werbebotschaft?

Positionierung ist die strategische Entscheidung, wofür ein Unternehmen stehen soll. Die Werbebotschaft ist die konkrete Formulierung dieser Entscheidung für einen bestimmten Kanal oder Anlass. Die Positionierung bleibt stabil, Botschaften können sich je nach Kampagne ändern.

Wie lange dauert es, eine Positionierung zu entwickeln?

Der erste tragfähige Entwurf lässt sich oft in einem halben Tag erarbeiten, wenn die richtigen Personen am Tisch sitzen. Die Feinarbeit, Belege sammeln und den Satz an der Praxis testen, dauert meist mehrere Wochen.

Muss die Positionierung von der Geschäftsführung kommen?

Sie muss von der Geschäftsführung mitgetragen werden, weil sie Ressourcen, Prioritäten und Ausschlüsse betrifft. Erarbeitet werden sollte sie gemeinsam mit Vertrieb und Fachabteilung, weil dort die Kundenrealität am besten bekannt ist.

Wie oft sollte eine Positionierung überprüft werden?

Einmal jährlich reicht für die meisten Unternehmen, außer Markt, Angebot oder Zielgruppe verändern sich grundlegend. Häufigeres Ändern verwirrt meist mehr, als es nützt.

Was tun, wenn sich das Team nicht einig wird?

Uneinigkeit bei der Positionierung ist fast immer Uneinigkeit über die Zielgruppe. Kläre zuerst, für wen das Unternehmen in den nächsten drei Jahren wirklich arbeiten will. Der Rest des Satzes ergibt sich danach leichter.

Reicht ein guter Slogan als Positionierung?

Nein. Ein Slogan ist die verdichtete Oberfläche. Positionierung ist die Entscheidung darunter: wer die Zielgruppe ist, welches Problem gelöst wird und wodurch das glaubwürdig ist. Ein Slogan ohne diese Entscheidung ist nur ein hübscher Satz.

Kann ich eine Positionierung auch ohne externe Beratung entwickeln?

Ja, mit Disziplin. Die Methode selbst ist kein Geheimnis: Zielgruppe eingrenzen, Problem benennen, Belege sammeln, Satz testen. Schwierig wird es meist an einer anderen Stelle, nämlich bei der Betriebsblindheit. Wer täglich im eigenen Angebot steckt, hält vieles für selbstverständlich, was Außenstehende erst erklärt bekommen müssen. Eine zweite Perspektive von außen deckt das oft schneller auf als jede zusätzliche Werkstattrunde im eigenen Team.

Quellen und weiterführende Hinweise

Verwendete Quellen

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