Ehrlich gesagt Podcast von Daniel Friesenecker

KI-Kennzeichnungspflicht: Was du im Podcast und Content Marketing darfst

Daniel Friesenecker

Arbeitsplatz mit Stempel, Briefpapier, Tasse und Banane in Schwarz-Weiß.

Szene · KI und Kennzeichnung

Von Daniel Friesenecker · Stand: Oktober 2026 · Lesezeit 8 Minuten

Montag, Jour fixe im Marketing. Auf dem Tisch liegt ein Ausdruck aus dem Newsletter der Wirtschaftskammer. Seit 2. August gilt die KI-Kennzeichnung, steht drauf.

Und dann die Frage aus der Runde: Müssen wir jetzt überall „KI“ draufschreiben? Auf den Podcast, weil das Transkript aus einem Tool kommt? Auf den LinkedIn-Post, weil ChatGPT den ersten Entwurf gemacht hat? Auf das Thumbnail?

Keiner weiß es genau. Also schreibt jemand vorsichtshalber „mit KI erstellt“ unter alles. Sicher ist sicher.

Nur hört sich das für die Leute draußen an wie: Hier hat keiner selbst gedacht. Und das stimmt meistens nicht.

Kurz gesagt

Die KI-Kennzeichnungspflicht nach Artikel 50 des EU AI Act gilt seit 2. August 2026. Wer Inhalte veröffentlicht, muss KI vor allem in zwei Fällen offenlegen: bei Deepfakes, also realistischen KI-Stimmen, KI-Gesichtern oder KI-Bildern echter Personen und Situationen, und bei KI-Texten zu Themen von öffentlichem Interesse, die kein Mensch inhaltlich geprüft hat. Solange Stimme, Gesicht und Gespräch echt sind, bleiben KI-Werkzeuge für Ton, Schnitt, Transkript, Shownotes und Textentwürfe ohne Kennzeichnungspflicht.

Wichtig vorab: Ich bin kein Anwalt. Dieser Artikel ist keine Rechtsberatung. Er ist meine Einordnung als Podcast-Produzent, Stand Oktober 2026. Wenn bei dir viel dranhängt, frag eine Anwältin oder einen Anwalt für Medien- und IT-Recht.

Was verlangt die KI-Kennzeichnungspflicht seit August 2026?

Artikel 50 der KI-Verordnung verteilt die Pflichten auf zwei Rollen. Die Anbieter, also OpenAI, ElevenLabs und Co., müssen ihre KI-Ausgaben maschinenlesbar markieren. Du als Unternehmen oder Podcaster bist Betreiber, und für dich gibt es genau zwei Fälle.

Erstens Deepfakes. Das sind KI-erzeugte Bilder, Töne oder Videos, die echten Personen, Orten oder Ereignissen ähneln und fälschlich echt wirken. Eine Absicht zu täuschen braucht es dafür nicht. Text ist übrigens nie ein Deepfake.

Zweitens KI-Text, der die Öffentlichkeit über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse informiert. Hier gibt es eine Ausnahme: Prüft ein Mensch den Text inhaltlich und übernimmt jemand die redaktionelle Verantwortung, entfällt die Pflicht.

Der Digital Omnibus hat daran nichts verschoben. Für Betreiber gilt das seit 2. August 2026, ohne Übergangsfrist. Strafen gehen bis 15 Millionen Euro oder drei Prozent des Umsatzes, bei kleinen Unternehmen zählt der niedrigere Wert. Eine eigene Aufsichtsbehörde hat Österreich nach meinem Stand noch nicht benannt. Die Pflicht gilt trotzdem.

Was darf ich im Podcast mit KI machen, ohne es zu kennzeichnen?

Fast alles, was hinter den Kulissen passiert. Die Grenze verläuft dort, wo KI vom Werkzeug zum Auftritt wird. Solange die Stimme, die du hörst, wirklich gesprochen hat, löst die Technik dahinter keine Pflicht aus.

In den Podcasts, die ich produziere, läuft der Ton durch Auphonic und das Transkript kommt aus Castmagic. Gekennzeichnet wird davon nichts, weil sich am Gesagten nichts ändert. Was KI in der Produktion sonst noch abnimmt, steht in Podcast KI: Was künstliche Intelligenz in der Produktion wirklich bringt. Die Tabelle zeigt, wie ich die typischen Einsätze einordne.

↳ ehrlich gesagt: ein Rauschfilter hat noch niemanden getäuscht.

KI-Einsatz Kennzeichnen? Warum
Rauschentfernung, Lautheit, Mastering Nein Technische Bearbeitung, das Gesagte bleibt gleich
Ähs schneiden, KI-Schnittvorschläge Nein Schnitt verändert keine Aussage
Transkript, Shownotes, Kapitel, Untertitel Nein Solange ein Mensch inhaltlich prüft
Clips aus echtem Material auswählen Nein Das Material ist echt
KI-Skript, das du selbst einsprichst Nein Die Stimme ist echt
Stilisiertes KI-Cover oder Thumbnail Nein Solange es erkennbar nicht echt aussieht
Einzelne Versprecher per KI ersetzen Grauzone Frei, solange sich der Inhalt nicht ändert
Generische KI-Stimme für Jingle oder Ansage Grauzone, eher ja Die RTR zählt KI-gesprochene Nachrichten zu den Deepfakes
Fotorealistisches KI-Bild Ja Wirkt wie ein echtes Foto
Geklonte Stimme, auch deine eigene Ja Deepfake, Einwilligung ändert daran nichts
KI-Avatar, KI-Übersetzung mit Originalstimme Ja Eine echte Person sagt, was sie so nie gesagt hat
KI-Stimme eines Gastes ohne Zustimmung, erfundene Kundenstimme Nicht erlaubt Persönlichkeitsrecht und UWG, ein Label rettet das nicht

Wann wird eine KI-Stimme zum Deepfake?

Sobald sie einer echten Person nachgebaut ist und so klingt, als hätte diese Person gesprochen. Die EU-Kommission nennt die geklonte Podcast-Stimme in ihren Leitlinien ausdrücklich als Beispiel. Auch wenn es deine eigene Stimme ist und du zugestimmt hast.

Bei Audio heißt Offenlegen: hörbar, am Anfang, und bei langen Folgen oder Clips wiederholt. Ein Satz in den Shownotes oder im Impressum reicht nach den Branchenleitfäden nicht. Eine mögliche Formulierung: „Teile dieser Folge sind mit einer KI-Stimme erstellt.“

Und dann gibt es die zweite Ebene, die schwerer wiegt als jedes Label. Deine Gäste haben ein Recht an ihrer Stimme. Der OGH hat das schon 2003 bei imitierten Stimmen in Radiowerbung bestätigt. Wer die Stimme eines Gastes per KI übersetzt oder Sätze nachbaut, braucht eine eigene schriftliche Zustimmung. Die übliche Aufnahme-Einwilligung deckt das kaum.

Was eine geklonte Stimme mit dem Vertrauen deiner Hörer macht, steht ausführlicher im Artikel KI-Stimme im Podcast: Was du sparst und was du dabei verlierst.

Muss ich KI-Texte auf LinkedIn, im Newsletter oder im Blog kennzeichnen?

In der Regel nicht, wenn du sie wirklich selbst redigierst. Die Ausnahme für Text greift, wenn ein Mensch mit Fachwissen den Inhalt prüft und dafür geradesteht. Werbliche Texte wie Produktbeschreibungen fallen laut deutschem Werbeverband ZAW meist gar nicht unter „öffentliches Interesse“.

Der Haken liegt im Wort „prüfen“. Rechtschreibkontrolle reicht nicht. Durchwinken auch nicht. Gemeint ist eine echte inhaltliche Auseinandersetzung. Und wenn danach noch einmal die KI drübergeht und Wesentliches ändert, ist die Ausnahme wieder weg.

Ob ein Meinungs-Post auf LinkedIn zu einem gesellschaftlichen Thema schon „öffentliches Interesse“ ist, hat noch niemand verbindlich geklärt. Ich denke, die Abgrenzung ist für dich gar nicht so wichtig. Wichtig ist, dass du zeigen kannst, wie dein Text entstanden ist. Ein kurzer Vermerk, wer was geprüft hat, ist dein bester Schutz.

Was verlangen YouTube, Apple, Spotify und Meta zusätzlich?

Die Plattformen haben eigene Regeln, und die decken sich nicht ganz mit dem Gesetz. Am strengsten ist Apple Podcasts: Wer KI für Audio oder Video einsetzt, etwa synthetische Stimmen oder KI-Hosts, muss das in jeder Folge und in den Metadaten deutlich offenlegen.

YouTube verlangt das KI-Häkchen nur bei realistischen Inhalten. Skripte, Titel, Thumbnails, Untertitel und Audio-Reparatur sind ausdrücklich ausgenommen. Seltsam: Auch das Klonen der eigenen Stimme ist bei YouTube ausgenommen. Das EU-Recht sieht das anders, und das Gesetz gewinnt. Im Zweifel also im Audio offenlegen, auch wenn YouTube es nicht verlangt.

Meta will ein Label bei fotorealistischem Video und realistisch klingendem Audio. Spotify kennt für Podcasts keine Kennzeichnungspflicht, verbietet aber, sich mit einem Stimmklon als jemand anderes auszugeben. LinkedIn zeigt nur ein kleines „CR“-Symbol, wenn ein Bild Herkunftsdaten mitbringt. Eine Pflicht zum Kennzeichnen habe ich dort nicht gefunden.

Kostet ein KI-Hinweis Vertrauen?

Ein bisschen, ja. Und trotzdem lohnt er sich. In 13 Experimenten haben Forschende der University of Arizona gezeigt: Wer KI-Einsatz offenlegt, verliert Vertrauen. Wer dabei erwischt wird, verliert deutlich mehr.

Gleichzeitig wollen 83 Prozent der Menschen in Österreich laut einer RTR-Studie eine klare Kennzeichnung. Beides passt zusammen, wenn du genau kennzeichnest statt pauschal. Ein Stempel „mit KI erstellt“ unter einem echten Gespräch wertet ab, was du tatsächlich geleistet hast.

Ein Satz wie dieser trennt Werkzeug und Auftritt: „Gespräch und Stimmen sind echt. Tonbearbeitung und Transkript entstehen mit KI-Werkzeugen, geprüft von uns.“ Das ist ehrlich. Und es verkauft sich nicht unter Wert.

Gerade für einen Podcast in Industrie und Mittelstand ist das ein Argument: Die echte Stimme ist euer Vorsprung, wenn alles andere billig zu haben ist. Mehr dazu in Unternehmenspodcast im KI-Zeitalter.

Vier Fragen vor dem Veröffentlichen

1. Hört oder sieht man eine echte Person, die das so nie gesagt oder getan hat?

2. Wirkt ein Bild wie ein Foto, obwohl es keines ist?

3. Hat ein Mensch den Text inhaltlich geprüft, und kannst du das zeigen?

4. Hat jede Person, deren Stimme oder Gesicht die KI verändert, schriftlich zugestimmt?

Einmal Ja bei Frage 1 oder 2, oder einmal Nein bei Frage 3 oder 4: Dann kennzeichnen oder lassen.

Wo hilft dir dieser Artikel nicht weiter?

Bei allem, wo viel Geld oder ein Ruf dranhängt. Ich habe für diesen Text Gesetz, Leitlinien-Zusammenfassungen, Leitfäden von RTR, WKO und Werbewirtschaft sowie die Plattformregeln gelesen. Das ersetzt keine Anwältin, die deinen Fall kennt.

Einige Punkte sind schlicht noch offen. Ob einzelne per KI ersetzte Wörter schon ein Deepfake sind, sehen die Leitfäden unterschiedlich. Bei generischen KI-Stimmen widersprechen sich Radiozentrale und RTR. Und solange Österreich keine Behörde benannt hat, gibt es auch keine österreichische Auslegung aus der Praxis.

Wer eine KI-Kampagne mit Avataren, Stimmklonen oder internationalen Ausspielungen plant, sollte das vorher rechtlich prüfen lassen. Für einen echten Gesprächspodcast mit KI hinter den Kulissen ist die Lage dagegen erstaunlich entspannt.

Häufige Fragen

Muss ich meinen Podcast kennzeichnen, wenn ich KI für Schnitt und Ton nutze?

Nein. Rauschentfernung, Lautheit, Mastering und Schnitt verändern nicht, was gesagt wurde. Nach Artikel 50 der KI-Verordnung ist das technische Bearbeitung und löst keine Kennzeichnungspflicht aus.

Ist eine geklonte eigene Stimme kennzeichnungspflichtig?

Ja, nach den Leitlinien der EU-Kommission ist eine geklonte Podcast-Stimme ein Deepfake, auch mit Einwilligung. Bei Audio gehört der Hinweis hörbar an den Anfang. Dass YouTube die eigene Stimme ausnimmt, ändert an der gesetzlichen Pflicht nichts.

Muss ich mit ChatGPT geschriebene LinkedIn-Posts kennzeichnen?

In der Regel nicht, wenn du den Text inhaltlich selbst prüfst und verantwortest. Die Pflicht betrifft KI-Texte zu Themen von öffentlichem Interesse ohne menschliche Redaktion. Bloßes Durchwinken oder eine Rechtschreibkontrolle zählt nicht als Prüfung.

Reicht ein KI-Hinweis im Impressum?

Für Pflichtfälle meist nicht. Der Hinweis muss dort stehen, wo Menschen den Inhalt wahrnehmen: bei Audio hörbar am Anfang, bei Bildern und Videos sichtbar am Inhalt. Ein allgemeiner Satz im Impressum kann freiwillig ergänzen, ersetzt das aber nicht.

Echte Stimmen brauchen kein Label. Sie brauchen ein Publikum.

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Über den Autor

Daniel Friesenecker ist Hörbarmacher und podcastet seit 2006. Über 1.000 Episoden, European Podcast Award, diplomierter systemischer Coach und Autor des Buchs „Hörbar Echt!“. Im TeddyLab in Linz baut er Organisationen, deren wichtigstes Kapital Vertrauen ist, ihr eigenes Medium. Mehr über Daniel

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